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Montag, 14. Februar 2011

Die gute Fee

Die Woche begann, wie die letzte geendet hatte. Eher mager. Zumindest für uns Fahrer. Im Vergleich mit den anderen Kollegen lag ich, was den Umsatz anging, heute nicht schlecht, aber das Trinkgeld fiel schon wieder dürftig aus.

Zwar durfte ich gleich zu Beginn des Tages zum Flughafen und hatte auch einen gut gelaunten, sympathischen Fahrgast, aber rein monetär gesehen, war es eine Fahrt wie jede andere. Zurück in Reinbek war jedoch ordentlich was los. Die Auftragsvergabe erfolgte in schnellen Abständen, wir waren zügig unterwegs.

Als ich mich schon wieder auf einen freien Auftrag melden wollte, war ein Kollege um eine 10tel Sekunde schneller auf der Funktaste. Und? Wen durfte er abholen? Eine Stammkundin, die zwar nicht weit fuhr, dafür jedoch immer gut noch was für den Fahrer oben drauf packte. Pech gehabt. Zeit zum Luft holen blieb nicht, ich erhielt den nächsten Auftrag: Abholung eines Patienten im Krankenhaus auf Station XY und Beförderung zur Dialyse. Auf Beförderungsschein. Heisst: auf Verrechnung mit der Krankenhaus. Kein Bargeld fliesst. Super Tour. Abholen auf Station, im Tippelschritt zum Aufzug, warten, runter fahren, im Tippelschritt zum Auto. Beim Einsteigen helfen. Dann 3 Minuten Fahrt, beim Aussteigen helfen. Wiedersehen, danke schön, bis zum nächsten Mal. Nichts bleibt für uns hängen.

Der Tag wartete noch mit einer Patiententour (natürlich auf Beförderungsschein) von HH-Bergedorf nach HH-Finkenwerder (nahe den Airbus-Werken) für mich auf. Ich blieb gelassen, der Fahrgast - ein Japaner - ebenfalls. Unterhaltung gab´s keine, dafür neue Ortskunde für mich im Gebiet um Wilhelmsburg, Waltershof und Harburg. Letzteres auch nur deshalb, weil die Verbindungsstraße, die mein Navi vorschlug, leider gesperrt war. Ich fuhr stur geradeaus Richtung Harburg, bis auch mein elektronischer Freund begriff, daß ich nicht wenden wollte.. Egal, so bekam ich auf dem Rückweg - das Navi schaltete ich aus - mal wieder den Elbtunnel zu sehen. Auch schön.

Gegen Ende der Schicht näherte sich meine Trinkgeldkasse der "magischen" 10-€-Marke. Ja, richtig gelesen. Mehr war heute wohl nicht drin. Um aber diese Marke doch noch zu überschreiten, meldete ich mich blitzschnell für einen Auftrag im Nachbarort. Beim dortigen Supermarkt wartete noch eine Dame auf mich. Prima. Nehme ich mit, dann ist Feierabend.

Und dann erschien sie mir - die gute Fee! Nur, daß meine bisherigen Vorstellung von Feen ein wenig abwichen von dem, was jetzt auf mich zukam: eine 92-jährige alte Dame mit Rollator und 3 Tüten in der Hand! Und wer war sie? Richtig, die gute Frau P. aus R., die am Morgen mein 10tel-Sekunden-schneller-Kollege schon befördern durfte. Innerlich jubilierte ich. Der Tag sollte doch noch zu einem versöhnlichen Ende kommen.

Frau P. war nett und freundlich wie immer und sparte dann auch nicht damit, den freundlichen Taxifahrer für seine Hilfsdienste (Rollator, Tüten, Türe aufhalten) zu entlohnen.

Feen sind also doch keine Fantasiegestalten..--))!