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Freitag, 25. Februar 2011

Kaffeebecher

Nachdem mein Dienstwagen am Mittwoch den ganzen Tag in der Werkstatt stand und am späten Nachmittag noch nicht fertig war, stellte ich mich gestern Morgen darauf ein, einen "fremden Wagen" durch den Tag steuern zu müssen. Es hatten sich ein paar Umzulänglichkeiten bezüglich des Fahrkomforts und der Leistung eingestellt, sodaß hier dringend Abhilfe geschaffen werden musste.

Geistig mich schon in einem älteren Modell sehend, überraschte mich meine Kollegin in der Zentrale jedoch mit den Worten:

  • "..Hallo Marco, dein Auto ist noch fertig geworden!"


Oh. Klasse! Ich wollte mich schon umdrehen und zur Werkstatt fahren, aber die Kollegin meinte:

  • "Brauchst du nicht. "Er" steht schon hier auf dem Parkplatz."


Das ist Service, oder? Es hatten wohl die Kollegen der Spätschicht den Wagen spätabends noch geholt. Ein "Rundum-Wohlfühl-Program" schon in aller Frühe? Prima, dann konnte es gleich los gehen. Ich bezog mein "fahrendes Wohnzimmer" wieder und ergänzte die Einrichtung um ein kleines, aber wichtiges Detail: den Thermo-Kaffeebecher. Diesen hatte ich mir bereits am Vortag in einem "Outdoor"-Laden (hier ist wohl keinem ein vernünftiges deutsches Wort eingefallen?!) geholt. Ich hoffte, er hält, was sein Preis versprach..--))



Dieses Konstrukt fiel offenbar auf. Denn nur 2 Stunden später saß ein älterer Herr neben mir und meinte plötzlich:

  • "Heizt der auch?"

  • "Wer, bitte?"

  • "Na, ihr Becher. Ist das eine kleine Heizplatte da drunter?"


Ich musste lachen. Die Vorstellung war irgendwie komisch, aber gut. Ich erklärte ihm das simple Konstukt, das den Becher hielt und er musste nun auch lächeln.

Zwei Fahrten später, mittlerweile saß ein Päarchen auf der Rückbank und ließ sich in die Innenstadt chauffieren, eine ähnliche Frage.

  • "Ist das eine Art Heizplatte?"

  • "Nein, nur Plastik. Das ist meine Art, meinen Arbeitsplatz funktionell zu gestalten."


Der Blick von beiden (ich sah sie im Rückspiegel) sagte viel aus. So, als hätte ich einem Blinden etwas über Farben erzählt. Sie konnten sich offenbar nicht vorstellen, wie man sich einen "funktionellen Arbeitsplatz" im Taxi schaffen konnte - oder wollte. Ihr Verhältnis zur Lebensrealität unterhalb der 100.000 € - Einkommensgrenze war offensichtlich sowieso etwas "distanziert". Das entnahm ich aus ihren Gesprächen.

Kurz vor Ende der Fahrt, dem UKE, verwirrte ich die beiden nochmals. Ortskundige (Kollegen) in Hamburg oder Umgebung werden die Bus / Taxi - Spur an der Ludolfstraße in Richtung Martini- , bzw. Tarpenbekstraße kennen. Dort bog ich ab und bei den Beiden ruckte der Kopf hoch. Leise fragte sie ihr Mann:

  • "..Darf der das?"


Er verstand das als Aufforderung, doch etwas zu tun, bzw. sich der Ordnunsmäßigkeit meiner fahrerischen Maßnahme zu vergewissern:

  • "...Sie nehmen eine Abkürzung?"


Nette Verklausulierung der Frage, ob ich denn überhaupt wisse, was ich hier tue..--))

Ich klärte die beiden über die Funktion einer kombinierten Bus- und Taxi-Spur auf, die in Hamburg nicht selbstverständlich ist. Leider.

  • "Ahaaa... Dann sind wir ja heute besonders schnell dort..! So ist seit einem Jahr noch keiner Ihrer Kollegen gefahren.."


Das wollte ich nicht kommentieren. Kann mir nämlich nicht vorstellen, daß diese Spur zum UKE nicht allen Kollegen bekannt ist.

Natürlich folgte das, was ich eigentlich schon erwartet hatte. Der Bezug zu den unteren Gehaltsklassen war derart gering, daß sich dieses auch in der Bezahlung für den Fahrer und dessen netten und schnellen Service niederschlug. Ich versuchte mich damit zu trösten, daß ICH nicht ins Tumor-Zentrum musste, sondern ohne weitere Verpflichtung gesund und guter Laune wieder umkehren durfte.

Manchmal klappt das mit der guten Laune aber auch nicht. So am frühen Nachmittag, als eine Kundin (Anfang / Mitte 50) mit recht schwerem Koffer auf mein Taxi zusteuerte. Hatte sie Ziegelsteine oder Bücher geladen? Die Kollegen hinter mir machen schon blöde Bemerkungen, als sie mich das Gepäckstück in den Kofferraum wuchten sahen. Im Gespräch erfuhr ich, daß die Dame Fortbildungen für Lehrer durchführte. Also doch Bücher im Koffer. Am Ziel angekommen, kramte sie endlos lange in ihrem Kleingeld herum. Mir schwante Düsteres. Und es erfüllte sich. Sie zog abgezählt der Fahrpreis laut Taxameter heraus und ließ sich noch eine Quittung ausstellen. O.k., dann schalten wir eben zurück in den ersten Gang, dachte ich mir. Ich öffnete den Kofferraum und stellte den zentnerschweren Koffer nicht, wie üblich, der Kundin direkt vor die Füsse, je nach Örtlichkeit auch auf den Gehweg, sondern ließ ihn direkt hinter meinem Auto auf den Asphalt "sacken". Sie war wohl einen Moment überrascht, kam dann aber 2 Schritte auf das Auto zu und zog ihren Betonklotz selbst auf den Gehweg. Tja, Basispreis zahlen = Basis-Service erhalten..--))!

Sie knurrte noch ein "..Schönen Tag noch..!" und meine (gedachten) "guten Wünsche" begleiteten sie ebenfalls in den weiteren Nachmittag..--)).