Besucher

Montag, 21. Februar 2011

Schubladendenken

Man könnte sagen, der heutige Montag begann etwas holprig. Das lag nicht daran, daß ich etwa bereits im Garten über Eisbrocken gestolpert wäre. Nein, bis ich den Schlüssel meines Autos in der Zentrale übernahm, lief alles glatt. Auch ohne Eis.

Mit dem Schlüssel bekam ich auch gleich meine erste Tour mit auf den Weg. Dafür hatte ich allerdings auch noch 25 Minuten Zeit, die Anfahrt zum Kunden würde nur 15 Minuten dauern. Alles ganz locker. Doch halt! Lag da etwa Eis auf dem Wagen? Also, erst mal kratzen. Bis ich eingestiegen war, fror die Frontscheibe auch schon wieder leicht zu. Kein Wunder, bei  - 8 Grad. Motor starten, Enteiser-Stufe des Gebläses an, dann den Rest erledigen. Geld und Brote verstauen, Tourenzettel mit den den Daten des Taxameters vergleiche und - ganz wichtig - die Kundenadresse ins Navi eingeben, denn die lag 3 Orte weiter und die Straße war mir bis heute unbekannt. Wahrscheinlich ein Neubaugebiet.

Ach ja, das Navi. Während das Gerät hochfuhr, hätte ich schon frühstücken können. Das Programm startete, aber es wurde kein GPS-Signal gefunden. Kein Grund zur Hektik. Die Grundrichtung war mir ja bekannt und bis nach Escheburg, die Zielort, würde der kleine Helfer sicher seinen Satelliten finden. Doch auch 5 Minuten später - kein Signal. Verflixt. Plan B musste her. Nein, nicht der Stadtplan. Der hätte bis Escheburg nicht gereicht. Ich hatte doch am Wochenende auf mein neues Handy auch ein neues Navi-Programm geladen. Jetzt sollte es zum Einsatz kommen.

Während ich anhielt und nach dem Handy griff, fand mein "altes" Navi doch tatsächlich seinen Satelliten. Auch das Ziel wurde erfasst, Ankunftszeit: 6.16 Uhr. Das reichte, der Kunden hatte für 6.15 Uhr bestellt. Kurz vor Escheburg zeigte das Navi, daß ich nach 250 m abbiegen solle. Dort aber, wo die Straße links in das Wohngebiet führen sollte, war nichts außer einem Lärmschutzwall. Eine Abzweigung hatte ich gut 200 m vorher gesehen. Ich drehte um und stellte fest, daß man im Zuge der Neugestaltung des Gebiets die Straße verlegt hatte.

Mein Navi war einfach nicht mehr "up to date". Gut, wenn´s der Verstand noch ist..--)). Ich zog um die Kurve und nach 100 m bog ich links in meine Zielstraße ein. Das Lesen der Hausnummern im Dunkeln macht immer Spaß. Sofern es überhaupt welche gibt. Gerade als ich schon glaubte, vom rechten Weg abgekommen zu sein, stand ich vor dem Haus des Kunden. Es war 6.17 Uhr.

Zwei Minuten später kam König Kunde heraus. Ich ordnete ihn als - Schublade auf - "Typ Akademiker aus dem Mittleren Osten" ein. Schublade zu. Ohne ein Zeichen von Unsicherheit versuchte ich, aus diesem Neubaugebiet heraus zu kommen. Zwei Minuten später rief er halblaut:

  • "..Hier hätten Sie links abbiegen können.."


Mist. Aus diversen Tag- und Nachtschichten kannte ich die Abzweigung zur B5 Richtung Bergedorf. Doch jetzt hatte ich geschlafen. Ich fuhr weiter durch den Ort hinunter, bis wir weiter unten auf die B5 trafen.

  • "Tut mir leid, das hätte ich sehen sollen."


Fehler eingestehen besänftigt die meisten Fahrgäste ein wenig..--). Es war sehr früh, deshalb kamen wir innerhalb von knapp 10 Minuten in Hamburgs östlichsten Stadtteil an. Mein Fahrgast hatte den kleinen Lapsus nicht krumm genommen. Ihm ging´s wohl eher um die Zeit, als um den Fahrpreis.

Apropos Fahrpreis. Als ich ihn in meine geistige Schublade steckte und ein wenig Erfahrung mit einfließen ließ war mit klar, daß ich von ihm sicher keinen "Bonus" zum Fahrpreis bekommen würde.

Gut 300 m vor dem Bergedorfer Bahnhof schaltete ich das Taxameter mit Worten

  • "..Als Ausgleich für den kleinen Umweg.."


ab. Er quittierte das mit einem erfreuten

  • "Das ist aber nett von Ihnen!"


Kurz darauf regelten wir den finanziellen Teil und - siehe da - er passte plötzlich nicht mehr in meine geistige Schublade! Den Fahrpreis rundete er zum nächsten 10er-Betrag auf, verabschiedete sich freundlich und war weg.

Ich denke, die 300 m ohne Taxameter kann die Firma verkraften. Der Kunde ruft nämlich mit Sicherheit wieder an!