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Sonntag, 27. März 2011

Abwechslung

Es kann ja niemand behaupten, daß ich mich jemals über fehlende Abwechslung in unserem Beruf beklagt habe. Ganz im Gegenteil. Nie in meinen bisherigen 25 Berufsjahren hatte ich davon mehr als in den letzten 9 Monaten. Eine Kollegin sagte am Freitag dazu:

  • "Ich fahre seit 28 Jahren Taxi, aber kein Tag davon war wie der andere...!"


An eben diesem Freitag kam wieder etwas Neues hinzu. Schon vor Wochen hatte ich meinem Chef vorgeschlagen, auch gerne mal als Funker einzuspringen, wenn eine der Kolleginnen ad hoc ausfallen sollte. Auf diesen Vorschlag kam er Vorgestern zurück. Gleich um 6.00 Uhr stellte ich den Wagen wieder ab und bekam eine Schnell-Einweisung in der Zentrale. Schließlich sind mir die Abläufe dort im Groben seit gut 9 Jahren bekannt, aber mal auf der anderen Seite des Funks mit seinen 2 Bildschirmen, dem Rechner mit seinen verschiedenen (Taxi-)Programmen, dem Telefon und den Listen mit Preisen, Namen, etc. zu sitzen, war dann doch sehr interessant.

Ganz besonders interessant fand ich die Möglichkeiten der GPS-Ortung und was man mit deren Hilfe alles über die einzelnen Auto "erfahren" kann. So gibt es z.B. eine Art "Historie", die protokolliert, wie schnell jeder Wagen zu jedem Zeitpunkt unterwegs war, usw. Im Gegensatz zu manchen Kollegen denke ich, daß die GPS-Ortung und auch die eingebauten Sitzkontakte absolut nötig und hilfreich sind. Auch für den Fahrer, denn die Zentrale kann so effektiver die Wagen einsetzen, da sie jederzeit Überblick über freie und besetzte Autos hat.

Zu Beginn war´s noch sehr ruhig und ich hatte Zeit, mich einzufinden. Vorbestellungen über Funk an die Kollegen ´raus geben, einzelne Telefonate entgegen zu nehmen - es lief alles ganz gut. Natürlich gab es am Anfang ein paar erstaunte Nachfragen der Kollegen wie "Bis du das?" oder "Was machst du denn da?". Aber sie gewöhnten sich schnell an mich.

Das Ganze erinnerte mich an einen ehemaligen Job am Flughafen in München, als ich noch in der Flugzeugabfertigung arbeitete. Dort waren wir mal im Innendienst, mal draussen am Flugzeug und arbeiteten über Funk und Telefon eng zusammen. Besonders in den Hauptverkehrszeiten hatte man als Innendienstler zum Teil 5 - 6 Kollegen draußen zu betreuen, deren Angaben und Daten bezüglich der Verladung entgegen zu nehmen und entsprechend im Computer zu verarbeiten. Da kam es auch oft vor, daß zeitgleich das Telefon klingelte, ein Kollege über Funk rief und zusätzlich Infos von den Disponenten quer durch den Raum einem zugerufen wurden.

Ganz ähnlich funktioniert auch das System in (wohl nicht nur) unserer Funkzentrale.

Als es 2 Stunden später langsam "eng" wurde, was die verfügbaren Autos anging, übernahm mein Chef den Platz und ich wechselte ins Auto. Zwei Touren fuhr ich, dann ging´s zurück in die Zentrale. Weitere 2 Stunden später das Ganze nochmal, dieses Mal blieb ich allerdings ganz im Auto.

Alles in allem ein wiederum sehr abwechslungsreicher Arbeitstag und ich hoffe, daß demnächst wieder mal Zeit ist, auf der "anderen Seite" Platz nehmen zu können...--))