Besucher

Mittwoch, 15. Juni 2011

Große Jungs

Manche Kunden verhalten sich doch irgendwie kindlich. Und zwar in mehreren Variationen. Ich hatte heute das Vergnügen, zwei davon kennen zu lernen.

Da war zuerst Herr G. aus Reinbek. Er hatte für 6.50 Uhr ein Taxi zum Flughafen bestellt. Über einen Festpreis oder sonstige Besonderheiten lagen in der Zentrale keine Infos vor.

So parkte ich um 6.48 Uhr den Wagen vor seinem (Mehrfamilien-)Haus, wartete 2 Minuten, dann 3, dann 5 Minuten. Es rührte sich nichts. Also, aussteigen und klingeln. Bewegung soll ja gut tun. Nach 20 Sekunden eine schwache Stimme in der Sprechanlage:

  • "Jaaaa...!?"

  • "Hatten Sie nicht ein Taxi für 6.50 Uhr bestellt?"


Ich versuchte, soviel Vorwurf wie möglich in diesen Satz zu legen. Mein Hang zur Pünktlichkeit ist ja weithin bekannt.

  • "Jaaaa... Ich kooomme gleich...!"


Das freute mich für sie, aber wichtiger wäre mir gewesen, Herr G. wäre nun endlich mal erschienen. Ich ging zum Auto und schlaltete das Taxameter ein. Wartezeit muß bezahlt werden.

Als Herr G. um 6.58 Uhr endlich erschien, machte ich ihn gleich auf die schon laufende Taxiuhr aufmerksam.

  • "Wieso das denn??? Wartezeit??"


Ich erklärte ihm den Hintergrund, seine Unpünktlichkeit, und fuhr los.

  • "Na, die Rechnung schicken Sie ja sowieso an meine Firma, oder?"


Es entstand eine kleine Diskussion, was denn seine Firma sei und ob wir Rechnungen dorthin verschicken. Er wirkte zutiefst beleidigt, als ich zugab, seine Firma (deren Namen er mir nannte) nicht zu kennen!! Demonstrativ rechts aus dem Fenster sehend, schwieg er.

  • "In welcher Branche arbeitet ihre Firma?" wollte ich wissen.

  • "Maschinenbau." lautete seine kurze Antwort.


Ahhh soo.. Das war natürlich ein Faux-pas, daß ich mich im Maschinenbau nicht auskannte.

Wir schwiegen uns an. Bis es ihm wohl zu dumm wurde, den beleidigten Jungen zu spielen. Er begann, ein paar Belanglosigkeiten zu fragen, woraus sich dann aber ein zumindest einigermaßen angenehmes Gespräch entwickelte.

Du Bub hatte wohl gemerkt, daß er ein wenig überzogen hatte.

_________________________

Drei Stunden später. Gleiches Ziel, anderer Akteur. Der junge Mann, der zur Tür hinaus kam, wirkte, als ob er gerade auf dem Weg zu einer Beachparty sei. Stattdessen ging´s zum Flughafen und er ließ mich nicht 5 Sekunden darüber in Unkenntnis, wohin seine Reise ging.

Wenn´s nur das gewesen wäre! Wir hatten gerade ein Viertel des Weges hinter uns, als ich auch schon seinen beruflichen Werdegang, den Verlauf seines Einstellungsgesprächs, seine Gehaltsvorstellungen und noch manches andere Detail kannte, das mich nicht im Mindesten interessierte.

Gut, man muß nicht immer über´s Wetter reden, aber so ins Detail brauchte ich das berufliche Leben meiner Fahrgäste nicht unbedingt kennen.

Er redete und redete in einer Tour. Dazu auch noch ziemlich laut und eindringlich. Zudem hielt er sich wohl für unersetzlich in der Firma, in der er seit Oktober 2010 (!) arbeitete. Wie gut er sei, was er alles schon seinem Chef an den Kopf geworfen habe und schwafel, schwafel, schwafel...

Wann waren wir endlich am Flughafen? War er verlegt worden? So lange kam´s mir noch nie vor,  ihn zu erreichen.

Da! Endlich! Der Tower. Und neben mir schwafelte Herr X. aus Wentorf weiter. Mein rechtes Ohr war schon geschlossen. Ich freute mich mal wieder auf die Rückfahrt. Kein Geräusch, ausser das des Diesels vor mir, würde meine Entspannung stören.

Zumindest wurde ich aber finanziell für die Tortour entlohnt. Immerhin.

_______________________________