Besucher

Montag, 11. Juli 2011

Mister Blackberry

An Selbstdarstellern mangelt es unter meinen Kunden nun wirklich nicht. Und meistens sind sie männlich und zwischen 25 und 40 Jahren alt. Dazu wird gerne ein "Business-Hemd" und Krawatte getragen. Aber das Wichtigste ist - das Handy. Diesem Klischee entsprach einer meiner Fahrgäste heute Vormittag. Er und seine Begleiterin waren Aussendienstler einer kleineren Autovermietung im Raum HH-Bergedorf. Die Beiden hatten offenbar einen Wagen an den Kunden eines Autohauses in Reinbek übergeben und wollten nun per Taxi in ihre Filiale zurück.

Sie stieg hinten ein, er vorne. Gerade so passte er mit seinen gut 1,90 m und den geschätzten 120 kg auf den Vordersitz. Die Tür war noch nicht zu, da klappte er auch schon das Lederetui seines Blackberry´s auf.

Er nannte kurz das Ziel, dann war ich auch schon aus seiner Wahrnehmung verschwunden. Sie telefonierte bereits und - wie ich aus ihren Worten schließen konnte - war wohl seine Vorgesetzte, bzw. die Filialleiterin. Während sie sprach, tippte er etwas in seinen Blackberry und klappte das Etui wieder zu.

Dann klappte er es wieder auf, wählte eine Nummer und sprach mit seinem Gesprächspartner über "Deals" und "Action", "Übernahmen" und Terminschwierigkeiten.

Klapp. Das Etui war zu.

Sie führte das 2. Gespräch.

Klapp. Das Etui ging auf. Er rief eine Nachricht ab, die sich zuvor durch einen leisen "Gong" bemerkbar gemacht hatte, las sie und - klapp - das Teil ging wieder zu.

Gut 200 m später. Klapp - und wieder auf. Das nächste Gespräch. Wieder ging´s um wichtige Dinge. Klapp. Zu.

Klapp. Auf. Eine Email war gekommen.

So ging das über mehrer Kilometer. Mir schwoll der Kamm und blieb stehen, bis wir die Filiale erreicht hatten. Dann das Finale, daß ich erwartet hatte.

  • "Das macht dann 14,80 €, bitte."

  • "Ja, ich gehe mal Geld holen."


Sprach´s und stieg aus, ohne sich höflicherweise dafür zu entschuldigen, daß sie kein Bargeld dabei hatten. Er blickte sich nochmals um, sah - extrem lässig - auf das Taxameter und meinte dann, noch lässiger:

  • "Ach, machen Sie 15,- € draus...!"


Er verschwand drinnen und ich würgte meinen Kommentar, daß er sich die 20 Cent dorthin st...n kann, wo´s besonders schmerzt, herunter.

Sie hatte sich gar nicht erst die Mühe gemacht, sich zu verabschieden und er bekam auch nur eine Floskel heraus. Ich wusste nun, wo ich NIE ein Auto mieten würde.

Doch das Leben ist manchmal gerecht. Das Taxi-Himmel ("Walltaxxa") hatte Mitleid mit mir und sandte als nächstes eine gemütliche Mittvierzigerin, ohne großes Redebedürfnis, während der gesamten Fahrt lächelnd. Sie zeigte beim Bezahlen, daß sie ein Gefühl für eine angemessene Entlohnung des Taxifahrers besaß..--))

Klapp.



________________________________

Es war Mittag und in meinem Magen stellte sich ein starkes Hungergefühl ein. Für ein Päuschen beim Döner-Mann war keine Zeit, also steuerte ich den Burger King an der Kreuzung Reinbeker Redder / Bergedorfer Straße an. Ich hielt vor der Blechbox, über die man sein "Menü" bestellen sollte.

Es meldete sich eine "Fachkraft für Systemgastronomie":

  • "GutenTagIhreBestellungbeiBurgerKing,bidde...!"

  • "Hallo, einmal den "King des Monats" bitte, mit Fanta, aber ohne Eis!" tönte ich in die Box.


Kurze Pause.

  • "Einen Big King?"


Die Systemgastronomin am anderen Ende hatte wohl etwas an der Hörmuschel?!

  • "Nein, einen "King des Monats" hätte ich gern, mit Fanta, aber ohne Eis!"

  • "Also einen Cheeseburger...!?"


Wäre die Nummer für "Verstehen Sie Spaß" nicht schon zu ausgelutscht gewesen, hätte ich mich nun umgesehen. Aber so war meine Geduld am Ende.

  • "Ich glaube, Sie... ach, ich fahre vor zum Schalter...!"


Gang rein und 5 m weiter gefahren. Dort erwartete mich, wie gewohnt, eine Systemgastronomin mit Migrationshintergrund und fragte mich treuherzig:

  • "Sie wollten ein Wasser dazu?"


Das war jetzt aber alles nicht mehr echt, oder?

  • "Nein, eine FANTA, ohne EIS!"


Kurz darauf kam eine weitere, wesentlich jüngere Dunkelhaarige und brachte mit mein "Menü". Endlich. Ich vermutete, daß dieses die Kollegin mit dem Hörmuschel-Schaden an der Blechbox war, die - als ich dann vorfuhr - schnell von ihrer erfahrenerin Kollegin abgezogen und ersetzt wurde.

Die Pommes waren gewohnt gut, aber das "Brötchen" pappig. Wäre ich bloß zum "Döner-Mann" gefahren.

_________________________