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Sonntag, 31. Juli 2011

Nachtschicht

Irgendwie hatte ich mal wieder Lust auf Nachtschicht. Die Menschen, die man zu dieser Tageszeit trifft sind großteils sehr skurril und das macht die Sache interessant. Meistens jedenfalls.

Der Abend begann - wie sollte es anders sein - mit einem stocktrunkenen Fahrgast, der mir auf seiner 4 minütigen Heimfahrt seine Lebensgeschichte erzählen wollte. Ich tat interessiert und gab gleichzeitig ein bißchen mehr "Gummi", damit ich wieder los wurde. Vor seiner Werkswohnung auf einem Industriegelände angekommen, zückte er einen 10er und nuschelte etwas, da klang wie "Passt...!". Ich dankte ganz brav und steckter die Geldbörse weg.

  • "Hey, wassss issss´ mit meinen zwei Eurooo...--?"


Oh, da hatten wir uns wohl mißverstanden. Er verzieh mir uns ich war ihn los.

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Zwischen 21 Uhr und Mitternacht hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, mit unserem "Vito"-Bus 5 Touren (!) Jugendliche zu einer "Acker-Fete" im gut 5 km entfernten Kröppelshagen zu kutschieren. Es zeigte sich dabei wieder einmal, daß junge Frauen in Feierlaune anstrengendsten Fahrgäste sind. Lieber habe ich ein Rudel betrunkener Männer im Auto, als zwei von diesen Hühnern! Eine dieser Gruppen war besonders penedrant und laut, sodaß mir zwischenzeitlich richtig die Laune verging. Ich ertrug ihr Gejohle (wobei Frauen genauso obszön sein können, wie Männer!) fast 10 Minuten. Dann, es ging ans bezahlen, platzte mir aber beinahe der Kragen. Beim Fahrpreis von 14,30 € rechnete die vorn sitzende, noch nüchterne, kurz zusammen: 5 x 3,- € macht....

  • "Machen Sie 15,- € ..!"


Deutlich unterkühlt ließ ich die "Damen" aussteigen und machte, daß ich - im wörtlichen Sinn - vom Acker kam.

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Überhaupt war die vergangene Nacht eine "sparsame". Vielleicht war noch nicht bei allen das neuen Gehalt angekommen?

Gegen 1.30 Uhr hatte ich dann endlich auch meine "Geisterfahrt". Nein, nicht alleine durch den dunklen Wald, sondern eine Frau in den Vierzigern, die von einem offenbar üppigen Trinkgelage nach Hause wollte. Ich sah sie, vom Haus kommend, langsam auf mich zukommen. Plötzlich breitete sie die Arme aus, stieß einen langgezogenene Ur-Laut aus und tat so, als würde sie auf mein Auto zufliegen. Zum Glück fand sie aber rechtzeitig die kurze Landebahn und hüpfte auf den Beifahrersitz.

Der Kopf ruckte um 90 Grad nach links, zu mir hin. Sie sagte aber nichts, sondern starrte mich an. Eine Sekunde, zwei, drei, vier...

  • "Bin ich schlecht rasiert?" fragte ich sie.

  • "Hi,hi,hi... Nnnnein, allllesss bessstensss.... Ich guck` nur ssssooo..."


Es ging nur um 3 Ecken nach Hause, aber bis dahin hatten wir ihre gesamte Getränkekarte des Abends durch: 6 Weißbiere und 3 "Kurze" oder so ähnlich. Kein Wunder, mit dem Pegel würde ich auch nur noch vor mich hin starren...--))

Zum Abschied gab´s - zum Glück - keinen Kuss, sondern wieder einen langen, starren Blick. Dann verschwand sie wie ein Geist im Dunkeln.

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Bereits um 3.00 Uhr hatte ich genug. Es war ruhig und die (Aushilfs-)Kollegen, die noch auf der Straße waren, reichten aus, um das Geschäft zu bewältigen.

Ich freue mich nun auf meinen Tagesdienst. Ohne Hühner und Geister.

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