Besucher

Dienstag, 16. August 2011

Zu früh, zu laut, zu viel.

Für einen Früh- und Tagesschichtfahrer bringe ich eine gute Voraussetzung mit: ich kann auch morgens vor 6 Uhr bereits mit Kunden über alle Themen dieser Welt reden. Na ja, fast alle. Und wer mich kennt, wird bestätigen, daß ich selten mundfaul bin und mir meistens zu allem etwas einfällt.

Aber heute Morgen habe ich meine Meisterin gefunden. In Gestalt eine Kundin, die bereits um 6.00 Uhr abgeholt und zum Flughafen gebracht werden wollte. Die Zeit, die mir vom Eintreffen in der Firma bis zum Abholtermin blieb, war sportlich bemessen, aber natürlich kein Problem für mich..--)). Zehn Minuten von der Schlüsselübernahme, über Auto "suchen", Utensilien einräumen, Schichtzettel überprüfen bis hin zum langsamen, der frühen Tageszeit angemessenen Vorfahren bei der Kundin: 5:59 Uhr.

Da stand sie schon in der Tür: Groß. Breit. Dunkelhaarig. Und sicher bei "Weightwatchers" schon mehrfach gescheitert. Ihr Handtasche wie eine mittelalterliche Waffe schwingend, trabte sie auf mich zu. Riß die Tür auf und senkte ihr Körperfülle in mein Auto. Im letzten Moment erkannte ich zwar, daß der Sitz für ihre Größe zu weit vorne stand, griff auch schon an den Verstellhebel, aber ich schaffte es nur noch, meine Hand rechtzeitig aus der Gefahrenzone zu ziehen... Dann saß sie.

Wie immer machte ich eine einleitende Bemerkung auf die der Fahrgast knapp oder ausführlich antworten kann. Schließlich will nicht jeder Fahrgast um diese Zeit ein Gespräch anfangen. Meistens lasse ich ein paar Worte über das Wetter fallen oder schließe aus der Menge an Gepäck auf das Reiseziel. So auch dieses Mal. Die Frage verfing. Wir hatten die Hauptstraße noch nicht erreicht, kannte ich schon ihr Zeil, ihre Reisedauer und wann sie aufgestanden war. Ich fürchtete schon, sie würde noch weiter ins Detail gehen, aber sie riß sich zusammen und blieb bei ihrer Reise.

So ging es in den folgenden 40 Minuten weiter. Ab und zu machte ich eine Anmerkung dazu oder berichtete in zwei Sätzen von meinen Reiseerlebnissen aus den vergangenen 20 Jahren. Aber so richtig interessiert war sie daran nicht. Stattdessen laberte sie über alles, was ihr gerade durch den Kopf ging.

An der Kreuzung Rübenkamp / Hebebrandstraße ging mein Blick schon flehend zur nächsten Ampel. Hoffentlich ist sie grün und ich muß nicht stehen bleiben!!!? Sie WAR grün, denn wenn man die Strecke zwischen erwähnter Kreuzung und Sengelmannstraße in einer gewissen ...--)) Geschwindigkeit zurück legt, erwischt man sie tatsächlich.

Weitere 4 Minuten später hatte ich es dann geschafft. Der Redeschwall versiegte, denn sie war ausgestiegen.

Da sie zu meiner Besänftigung ein Trinkgeld über dem üblichen Schnitt mir gelassen hatte, vergaß ich die Fahrt auch recht schnell. Mein nächstes Ziel war nämlich DER Taxitreff für Frühschichtler: die Shell in der Alsterkrugchaussee!

Das Ziel meiner Begierde floss dann um 6.45 Uhr in dunkelbrauner Farbe und kochend heiß in den Pappbecher und kurz darauf durch meine Kehle..--)).