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Dienstag, 27. Dezember 2011

Blödes Tempolimit..--))!

Schon fast "traditionell" kann ich meine Schicht am 26.12. jeden Jahres nennen. Der Heilige Abend und der 1. Feiertag sind für mich tabu. Ich weigere mich strikt, an diesen Tagen, bzw. an diesem Abend Taxi zu fahren, denn Familie geht vor.
Aber am 2. Feiertag fahre ich gerne, denn meistens bekommt man noch ein wenig vom Weihnachtsgeschäft und von der etwas anderen Stimmung der Fahrgäste mit, ohne selbst das Familienleben zu vernachlässigen. Jedenfalls bei mir ist das so.

Gestern Morgen lief es erst mal ruhig an. Ich hatte Zeit, in der Zentrale noch einen Kaffee zu trinken und mit der Funkerin und unserem GF zu klönen. Um 7.00 Uhr stiegen die ersten Fahrgäste ein. Ein Familie mit 2 Kindern zum Flughafen, auf dem Weg in den Winterurlaub. Nettes Gespräch, flotte Fahrt. Ja, flott war´s wirklich. Die 24 km nach Fuhlsbüttel legten wir in 25 Minuten zurück.
Der weitere Tag lief dahin, ohne besondere Begebenheiten, ich war aber zufrieden.

Um 14.15 Uhr war dann Bescherung. Die Kollegin der Frühschicht und die der Spätschicht waren noch gemeinsam in der Zentrale und riefen mich an. Sie hätten noch eine "besondere" Aufgabe für mich. Da eine von Beiden betonte, sie würde diese Aufgabe auch gern selbst erledigen, kam ich ins Grübeln und machte mich auf den Weg zu ihnen. Das wollte ich mir "live" und nicht über Funk anhören.
Als Mann hat man ja so seine Vorstellungen, wie eine "tolle Aufgabe" aussieht. Aber ich kam nicht mal in die richtige Richtung mit meinen Gedanken.

Es handelte sich mal wieder um einen Auftrag unserer geschätzten, schwer reichen Kundin Frau G.. Das ist die Dame mit dem großen Fuhrpark, u.a. mit der schönen S-Klasse, die zu fahren ich ja schon des Öfteren das Vergnügen hatte.

Aber aus diesem Fuhrpark hatte sie offensichtlich am Vorabend einen weiteren Wagen selbst genutzt:


Und der stand nun bei einer Freundin in Hamburg, nahe der Außenalster. Vermutlich kam am Abend Alkohol ins Spiel und so war die gute Frau G. sicher per Taxi wieder nach Hause gefahren und ließ ihren


in der Tiefgarage der Freundin stehen. Jetzt sollte er wieder in den heimischen "Stall" geholte werden. Und der Fahrer war - ich..--))!

In Vorfreude auf das Kommende stieg mein Blutdruck ein wenig an. Ich stellte es mir nicht ganz einfach vor, so einen Boliden "einfach mal so" zu fahren. Andererseits - wenn Frau G. ihn fuhr, sollte es für mich ein Leichtes sein, oder?

Der Kollege A. setzte mich gegen 16 Uhr vor dem Haus der Freundin ab und diese kam sofort herunter und öffnete die Tiefgarage. Uuuii! Da stand er. Schwarz. Schön. Schnell.

Sie gab mir die Schlüssel und rätselte wohl noch daran, wie dieses edle Stück deutscher Ingenieurskunst zu öffnen sei. Während sie rätselte, machte es "Klack" und schon ging die Tür auf. Die erste Hürde war genommen. Ich stieg ein. Der harte Sportsitz fühlte sich gut an.
Als nächstes fiel mir das Zündschloß ins Auge. Währenddessen redete "die Freundin":

  • "Meine Freundin I. sagte, Sie müssten zum Starten...."
Der Rest des Satzes ging im Röhren und Knurren des 6-Zylinders unter. In der Tiefgarage hörte es sich an, als ob mehrere Großkatzen gleichzeitig sich um eine Beute stritten. 



Die Dame hob nur die Arme, als wolle sie sagen "Sie wissen wohl schon, wie´s geht.." während ich den Automatik-Knauf auf "R" setzte. Ein leichtes Tippen auf´s Gas, wow! Das Geräusch ging durch Mark und Bein. Dann auf "D" - ich rollte auf die Ausfahrt zu, winkte kurz und ab ging´s...

Trotz Ortskenntnisse "verfuhr" ich mich doch glatt und musste das Geschoss einmal um die komplette Außenalster bewegen. Blöd aber auch! So ein Umweg. 
Und obwohl der Weg nach Reinbek über die B5 näher gewesen wäre, nein, der Bolide zog wie von selbst Richtung Autobahn. Was sollte ich tun? Er WOLLTE es wohl so?!

Schon nach wenigen Minuten kamen mir alle anderen Autos auf der Straße irgendwie wie Hindernisse vor. . 
Dann - vor mir die Einfahrt zur A24. Zuerst noch gemäßigt mit Tempo 90, denn hier wird gern geblitzt. Aber.... Ab "Jenfeld" ist offiziell 120 km/h erlaubt. Als ich den Druck auf´s Pedal verstärkte kam dann endlich richtig Freude auf. Ich weiß nicht, wieviele "Pferde" hinter mir arbeiteten und anschoben, aber aus DER Anzahl hätte man sicher mehrere Gestüte gründen können. 
Es war ein Weihnachtsfreude der besonderen Art, innerhalb von, sagen wir, 2 - 3 Sekunden auf 130 km/h zu beschleunigen und dabei das Grollen im Rücken zu hören. 
Verhältnismäßig verhalten, aber dennoch schneller als alle anderen auf der "Bahn" erreichte ich die Ausfahrt "Reinbek". Jetzt sollte auch mal das Fahrwerk mir zeigen, was es drauf hatte. 
Normalerweise bremst man mit einem herkömmlichen Auto hier auf max. 80 km/h ab.

Der "911" sollte schon ein wenig mehr vertragen. Mit 110 km/h rollte ich in die leichte S-Kurve. Kein Rutschen, kein Ziehen, kein Übersteuern. Er lag wie das buchstäblich Brett. Toll. 

Als ich Frau G. nach weiteren 10 Minuten die Schlüssel übergab meinte sie nur lächelnd:
  • "Na, hat´s wenigstens Spaß gemacht..--))?"
Und wie. Nur die blöden Tempolimits haben mich irgendwie gestört. 

Nochmals Danke an meine lieben Kolleginnen für das "Weihnachtsgeschenk"!