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Samstag, 28. Januar 2012

Schilfrohr

Im Grunde könnte ich heute mehrere DIN A4 Seiten schreiben, denn so vielfältig waren die Erlebnisse der letzten beiden Schichten. Aber bei zweien davon würde ich wahrscheinlich mit sensibleren Geistern meiner Leserschaft heftige Diskussionen bekommen, denn nicht jeder besitzt einen so tiefgreifend schwarzen Humor wie ich...--)).
Grundsätzlich herrscht natürlich auch bei Blogs die freie Meinungsäußerung, aber ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, daß die freie Äußerung im Gegenzug oft Beleidigungen oder Verunglimpfungen des Schreibenden zur Folge hat. Deshalb werde ich auf 2 der 3 Anekdoten verzichten. Auch wenn´s mir schwer fällt, denn in einem Fall haben Fahrgast und ich uns vor Vergnügen beinahe auf die Schenkel geklopft..--)

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Bleiben wir als im humorlosen, nüchternen Bereich.

Am Vormittag hatte Kollege N. die beiden Fahrgäste, mit den ich dann später das zweifelhafte Vergnügen hatte, schon gefahren. Es handelte sich um 2 Arbeiter eines Betriebes in Braak, nahe der Hamburger Stadtgrenze, etwas 20 Fahrminuten nördlich von Reinbek. Da N. und ich uns oft mehrfach am Tage über "What´s App" Nachrichten zukommen lassen und Erfahrungen austauschen, wusste ich schon einige Details, z.B. das sich der zahlende Fahrgast auf den Cent genau heraus geben ließ, was bekanntermaßen nicht so wirklich beliebt bei uns Taxifahrern ist. Schon gar nicht, wenn man im Ganzen fast 1 Stunde Zeitaufwand hatte, freundlich war und die Eigenheiten der Kunden geduldig ertrug. Zum Vergleich: ein Kellner, der den ganzen Abend einen Tisch voller Gäste betreut, viel läuft, sich bemüht, Wünsche erfüllt und seinen Job wirklich gut macht. Lassen sich dann die Kunden auf den Cent heraus geben, wird die Halsschlagader des Kellners auch stark anschwellen. Keine Frage.

Die Beiden mussten nun am Nachmittag auch wieder abgeholt werden. Und zwar von mir. Ich bereitete mich also darauf vor, daß Aufwand und Ertrag im krassen Gegensatz zu einander liegen würden.
Einer der Beiden trug eine Kartonage mit gut einem Dutzend Burger-Brötchen und 2 Tüten Chips auf dem Arm, als sie einstiegen. Ich versuchte einen Scherz..

  • "Das ist ja nett, aber harte Münzen sind mir als Trinkgeld lieber..--))"
Der ging daneben. Aus dem Gesichtsausdruck des jüngeren entnahm ich, daß das Wort "Trinkgeld" in seinem Vokabular nicht vorkam. 
  • "Ey, das wird bei uns sonst weggeworfen... Und ich darf´s nun mitnehmen, geil, ey, nä..?!"
Alles klar. Wo bei ihm der Verstand saß, war klar: klein und unscheinbar im Magen und vielleicht auch noch darunter... 
  • "Ey, besser leben kann man doch nicht, odaa..?"
Natürlich nicht. Mein Himmelreich lag auch immer schon im essen von pappigen Burger-Brötchen und Chips. Keine Frage. 
In Reinbek angekommen ging´s ans zahlen. Das Taxameter zeigte 28,- €. Er öffnete das Portemonnaie, zog 30,- € heraus und meinte:
  • "Ey, gib mir 2,- € zurück..!"
  • "Ja, höchstens...!" gab ich leicht zynisch zurück.
Das nahm er aber gar nicht war. Der Kerl war hohl wie ein Schilfrohr, was konnte ich da auch erwarten?



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