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Donnerstag, 9. Februar 2012

Rekordverdächtig

Für mich wird es immer mehr zur Gewißheit: die eigene Stimmung entscheidet zum ganz großen Teil über den Erfolg oder Mißerfolg beim Taxifahren. Schon des öfteren konnte ich ja beobachten, wie meine (Trinkgeld-)Kasse sich füllte, wenn ich gut gelaunt war und wie oft Ebbe herrschte, wenn ich "schlecht drauf" war.
Heute Morgen war ich auf dem besten Wege, mir die Stimmung schon einzutrüben, als ich mich mit einem Kollegen um kurz nach 6 Uhr bei Kaffee und Franzbrötchen über das gestrige Geschäft unterhielt. Er klagte über allzu viel "Zettel"-Touren, was bedeutet, daß er viele Rechnungsfahrten hatte und dementsprechend wenig für ihn dabei übrig blieb. Er erwartete für heute das gleiche, weil nämlich Dienstag und Donnerstag die meisten Dialysefahrten bringen. Und dort fließt eben auch kein Bargeld.

Meine Stimmung sank, weil ich ihm zustimmen musste, bei diesen Aussichten. Und schon
ging´s los. Erste Tour: Rechnungsfahrt nach Bergedorf. Zweite bis fünfte Tour: Dialysen. Erst gegen 9.00 Uhr die erste Bar-Fahrt. Na endlich. Dann aber....

Ich rollte gegen 9.45 Uhr gemächlich das erste Mal seit 6 Uhr zum Taxistand. Es war ruhig am Funk, also erwartete ich dort ein paar Verschnaufminuten. Als ich näher kam sah ich jedoch, daß dort einsam und verlassen eine offensichtlich jüngere Frau mit einem Koffer stand.
Kurz zuvor lockerte schon die Wolkendecke auf und die Sonne kam erstmals heraus.



Aus 10 Meter Entfernung sah die Frau, im Licht der Sonne stehend, wie eine Art "Engel" aus. Ja, ja, klingt schmalzig, aber ihr habt sie nicht gesehen..--)): Pudelmütze (ja, Engel tragen gelegentlich Pudelmützen!), dunkles halblanges Haar, ein Mantel bis zum Knie und knöchelhohe Stiefel. Sie sah mir entgegen und fing zu lächeln an.. Toll. Es war das Schönste, was ich - nach meiner Frau - heute Morgen zu Gesicht bekommen hatte.

Es stellte sich heraus, daß sie Spanierin war, einen Geschäftstermin im Gewerbegebiet hatte und kaum Deutsch sprach. Also wechselte ich in Englisch. Es folgte eine nette Unterhaltung und als sie zahlte und mir erneut dieses Lächeln "schenkte", vergaß ich sogar, mich zu ärgern, weil sie kein Trinkgeld gegeben hatte... Ach, was soll´s... Ist doch egaaal..--))

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Endgültig brachte gleich im Anschluß eine sehr alte Dame meine Laune wieder ins gewohnt hohe Niveau. Ich holte sie im Seniorenheim ab und brachte sie zum Krankenhaus. Eine wirklich sehr nette, alte Omi, wie aus dem Bilderbuch.
Ich begleitete sie nach oben zu ihrer Station und als wir uns verabschiedeten meinte sie:

  • "Viiiieelen Dank für Ihre Hilfe! Sie waren wirklich ein seeeehr netter Taxifahrer! Viieelen Dank..!"
Kann es ein schöneres Kompliment geben?

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Von nun an ging´s bergauf. Die Touren hörten nicht auf, die Einnahmen stiegen und am Ende der Schicht hatte ich rekordverdächtige 23 (!) Touren auf dem Zettel. Mit Sicherheit haben wir alle heute so viel getourt. Und mit Sicherheit sind wir ALLE heute so müde (und zufrieden?) wie ich jetzt...

Das Feierabendbier ist schon kalt gestellt..-)).