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Freitag, 6. Juli 2012

Du hast Pause!

Der Donnerstagabend ist inzwischen wohl zum traditionellen Abend für jugendliche Nachtschwärmer geworden. So ziemlich an jedem Freitag, zwischen 6 und 8 Uhr, fallen angetrunkene, müde und völlig abgekämpfte "Twen´s" zu uns in die Taxen.

Bisher hatte ich immer relatives Glück. Zu 99% waren es junge Frauen, die einfach nur nach Hause wollten und sich offensichtlich freuten, keinen Fahrer erwischt zu haben, der sie totlabert oder gar anmacht.
Heute Morgen aber fielen sie zu Viert über mich her: 2 Frauen und 2 Männer. Alle so Anfang bis Mitte 20. Die Alkoholwolke waberte schon nach Sekunden durch´s Auto. Drei saßen schon auf der Rückbank und der vierte stieg - logisch - vorne zu. Aber wie! Es gibt nicht viel, was mir morgens die Laune verdirbt, aber er schaffte es in Sekunden.

  • "Haaalllloooo, Herrrrr Taaaxxifaaaahrrrerrr..!" 
Dabei grinste er mich mit seinen glasigen Augen an und fand sich offenbar total lustig. 
  • "Moin! Wo soll´s denn hin gehen" fragte ich und sah bewusst die 3 hinteren durch den Rückspiegel an. 
  • "Nnniiccchhh weittt..., nur nach Wentorf..!"
Was für ein Glück! Wir fuhren los, die Uhr lief. Da meldete sich der "Lustige" von vorne wieder. 
  • "Naaa, haaben Sie geraaade auch Feieraaabend...--)?"
Klar. Ich mache extra lange Nachtschichten, um Lümmel wie Euch nach Hause zu bringen! Das dachte ich mir nur und sagte nichts dazu. Stattdessen setzte ich meine Meldung an die Zentrale ab.
  • "Zentale, die 9 fährt nach Wentorf."
Uii! Das fand er irre komisch.
  • "Hey, habt ihr gehöört, "K9" nennt er sich, "K9"!
Was daran komisch war, habe ich nicht verstanden. Aber der Druck in meinem Kessel stieg. Ich kann mich um diese Zeit über Gott und die Welt unterhalten, aber dieser Heini mit seinem Gelaber stand auf meiner Abschussliste ganz weit oben. 
  • "Haben Sie "K9" gesagt, ja? Haben Sie?"
  • "Nein. Aber DU hast jetzt PAUSE, mein Junge!" haute ich ihm um die Ohren und sah ihm kurz fest in die Augen. 
Stille. Erstaunen. Dann, um sein Gesicht zu wahren, drehte er sich nach hinten um.
  • "Ich glaub´ jetzt fliege ich bald raus hier, Leute!!!"
Die anderen reagierte gar nicht. Sie quatschten irgendwas durcheinander. Von diesem Moment an war Ruhe auf dem Beifahrersitz. Gut 1 Minute später stieg der Spaßvogel mit seiner Freundin aus und mit einem Mal waren die verbliebenen 2 wie ausgewechselt. Ruhig und vernünftig erklärten sie mir, wo sie aussteigen wollten. 

Das heisst, eigentlich wollte SIE früher aussteigen. 
  • "Da an der Laterne können Sie anhalten."
  • "Nein, halten Sie nicht an!"
  • "Doch!"
  • "Nein, fahren Sie weiter!"
Ich sah kurz in den Rückspiegel, wägte ab, wer von beiden wohl die Rechnung begleicht und beschloß, mich in männlicher Solidarität zu üben. 
  • "Ok, ich fahre weiter."
Sie fluchte, er grölte.
  • "Hey, super Mann!"
Kurz danach hielten wir vor seiner Haustüre. Meine Rechnung ging auf. ER zahlte und bedankte sich mit einem sehr guten Trinkgeld für mein "Männer müssen zusammen halten"..--)).

Den Spaßvogel hatte ich längst vergessen und meine Laune war wieder auf altem Level. 

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