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Freitag, 7. September 2012

6 Frauen

Es gibt viele Klischées - über Frauen genauso, wie über Männer. Und jeder pflegt seine Klischées gerne, seien wir mal ehrlich, oder?

Nehmen wir z.B. Klischées über Frauen: sie können schlecht Auto fahren, Orientierungssinn haben sie auch keinen, sie sind großteils unpünktlich und wenn sie in einer Gruppe zusammen sitzen, wird´s laut und schrill. Das kennt man.

Was aber, wenn plötzlich auf sehr begrenztem Raum alle diese Klischées sich bewahrheiten? Dann hat man nichts mehr zu lachen als Taxifahrer.

Es begann mit einer schlichten Auftragsvergabe durch unsere Zentrale gestern Morgen. Ich kam mit dem 9-Sitzer, dem "Bus", vom Flughafen, als das Telefon klingelte. Ich sollte 6 Personen zum Flughafen bringen, Abholadresse war in HH-Curslack und dann noch eine in HH-Bergedorf.
In Curslack fuhr ich in die Einfahrt, um Platz zum Einladen des Gepäcks zu haben. Aber - es tauchte nur eine Frau auf. Mit einem Koffer. Sie sagte, die anderen Damen würden unterwegs zusteigen und wir würden nun erst mal nach Bergedorf fahren, dann weiter nach Lohbrügge und anschließend noch nach Boberg. Na, da kam was zusammen auf der Uhr..-)!

Nachdem wir am Bergedorfer Rathaus die zweite Dame aufgelesen hatten, ging das Rätselraten über dritte Abholadresse los. Die Strasse war mir unbekannt, obwohl ich mich in Bergedorf sehr gut auskenne. Die beiden hinter mir lotsten mich mir vielen "..ich glaube hier.." und "..nein, äh, dort..!" und noch weiteren hochgradig ortskundigen Begriffen zur nächsten Adresse.
Es kommt selten vor, daß ich mein Navi nicht im Wagen haben, aber gestern war genau so ein Tag! Letzten Endes stellte es sich als sehr einfach zu finden heraus - hätte man mir Straßennamen in der Nähe genannt. Ich nahm´s gelassen.

Nächster Halt: Bergedorfer Bahnhof, Lohbrügger Seite. Hier sollten 2 Damen warten. Es war aber nur ein vor Ort. Die zweite kam nicht.

Ich hasse Unpünktlichkeit.

Eine der 4 hatte die Idee, wir sollten doch erst die Mitreisenden aus Boberg abholen. Gesagt - getan. Nur - wie mich die eine Dame dorthin lotste grenzte an Körperverletzung. Mit der Argument "..über die B5 kommen wir dort nicht hin.." fuhren wir einen großen Bogen. Egal. Mein Geld summierte sich da unter mir auf dem Taxameter nicht.

Trotzdem, warum hatte ich mein Navi nicht dabei????

Nun zurück zum Bahnhof. Ich könne "..nun aber über die B5 fahren..". Ach ja? Hätten wir hin auch gekonnt, wenn ich gesagt bekommen hätte, wo die Adresse zu finden war!
Langsam gingen meine Nerven zu Fuß. Klar, ich hatte ein wenig selbst Schuld, weil das Navi im "normalen" Taxi geblieben war, aber das Gekichere und Gegackere, nebst sinnfreien Wegweisungen nervte. Scheinbar sah man mir meine Gedanken an meiner Mimik durch den Rückspiegel an, denn eine der Gruppe meinte nur:

  • "Ich glaube, wir sollten unseren Fahrer einfach machen lassen. Er kennt sich hier wohl aus..!"
Richtig. 


Als wir am Bahnhof ankamen, war doch tatsächlich nun auch die sechste im Bunde zur Stelle und es konnte los gehen: 9.20 Uhr zeigte die Uhr. Und um 9.45 Uhr sollten die Damen beim Check-in stehen!? Wohl dem, der´s glaubte. Ich jedenfalls zeigte keinerlei Stress beim Fahren.

Als wir vor dem Terminal hielten, kam das Sahnehäubchen.

  • "So, da sind wir!" rief ich nach hinten und öffnete meine Tür.
  • "Halt, halt, Herr Fahrer, wir wollen doch erst bezahlen. Was macht´s denn?"
  • "Es sind 81,60 €, aber sie können gerne erst mal aussteigen."
Ich stieg aus, holte die Koffer und traute meinen Augen nicht: Drinnen saßen die 6 wir 16-jährige Mädchen zusammen und sammelten das Fahrgeld ein!!! Ich hätte eigentlich erwartet, daß eine ihr Geld zückt, die Fahrt bezahlt und dann hinterher von den anderen das Geld kassiert. Nein, sie machten es wie  die Mädchen, die des öfteren schon zur Disco oder zur Geburtstagsparty gefahren hatte. 

Fasznierend! 

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