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Dienstag, 25. September 2012

Versteckspiel

Schrieb ich doch noch neulich davon, daß es momentan keine Herausforderungen mehr gäbe?! Gestern bekam ich eine. Die brachte mich zwar zuerst fast zur Weißglut, aber im Nachhinein konnte ich darüber lachen.

Zum Versteckspiel ist man wohl nie zu alt. Jedenfalls waren wohl meine Kunden, die ich am Flughafen abholen sollte, dieser Ansicht. Es war ein Großraumtaxi angefordert worden und - dessen nicht genug - 2 Sitzerhöhungen und einen Kindersitz sollte ich mitbringen.
Nach bis dahin schon 7 Stunden hinterm Steuer war meine Lust auf Kleinkindergeschrei eher mäßig. Es ist sonst auch nicht viel höher, aber am frühen Nachmittag werden die Nerven eben nochmals dünner. Die Kunden wollten, so wurde mir gesagt, in der Zentrale anrufen, wenn sie die Koffer vom Band genommen hatten. Daraufhin wird von der Zentrale der Fahrer telefonisch informiert und dieser macht sich dann auf den Weg zum Terminal, Abflugebene. Wir warten meist ganz in der Nähe des Flughafens, um innerhalb von Minuten dort sein zu können. Für den Kunden kommt dabei fast das Gefühl von Vollkommenheit auf, denn wenn er mit seinem Gepäck in die Abflugebene hoch fährt und aus durch die Tür geht, fährt augenblicklich das Taxi vor. (Anm.: In der Ankunftsebene ist das Parken sehr teuer, daher holen wir unsere Kunden am liebsten dort ab, wo wir sie abgesetzt haben. Das kostet nichts, denn wir stehen nur max. 2 Minuten.)

Der Anruf kam, aber der Kollege sagte, die Kunden würden es "..irgendwie nicht schaffen, nach oben.." zu kommen. Wie das? Wieso nicht? Ich fuhr hin, hielt auf den Schrägparkplätzen vor dem T1 und warf 2€ in den Automaten. Das würde nun wohl doch mehr als 2 Minuten dauern.

Schnell durch die Tür und hinunter zum "Meetingpoint" in den Ankunftsebene. Dort sollten sie stehen. Taten es aber nicht.
Ich hielt Ausschau nach 3 Kindern. Die sollten doch auffallen, oder? Taten sie aber nicht. Wo zum Teufel steckten sie mir ihren Eltern? Anruf in der Zentrale, dort wusste man auch noch nicht mehr.
Ich ging Richtung T2, denn dort gibt es auch einen "Meetingpoint". Auf halbem Weg klingelte das Handy - mein Kollege aus der Zentrale.

  • "Sie riefen gerade an und sagten, sie würden jetzt an der Tür stehen."
An der Tür. Es gab 3 Türen im T1. Also klapperte ich alle ab. Nichts. Niemand der wartete, keine 3 Kinder. Fluchend ging ich wieder hinein und rief erneut die Zentrale an. Der Kollege konnte mir nun auch nicht weiter helfen. Auf dem Weg zum "Meetingpoint" sprach mich plötzlich eine ältere Frau an.
  • "Sind Sie DER Taxifahrer?"
So also ob es am Hamburger Flughafen nur EINEN Taxifahrer gäbe. Ich wollte schon antworten, daß ich natürlich DER Taxifahrer sei. DER Größte, DER Beste, einfach alles...--)). Aber nach Humor war mir inzwischen nicht mehr. 
  • "Wenn Sie nach Wentorf wollen, dann bin ich der richtige Taxifahrer."
  • "Ja, oh, gut, prima. Wir warten schon auf Sie. Wir stehen am Meetingpoint."
Sollte das ein Scherz sein? Ich erklärte ihr ganz kurz, wo ich sie schon überall gesucht hatte. Ihr Gesicht wurde etwas ernster. Scheinbar wurde ihr klar, daß sie mich durch den halben Flughafen gelotst hatten. 
Warum bleiben Leute nicht einfach da, wo es vereinbart war???

Nun standen sie also vor mir: Großeltern, Eltern und 3 Kinder. Mit riesig viel Gepäck. 
  • "Ich kann´s Ihnen nicht ersparen, Sie müssen nun mit nach oben." eröffnete ich ihnen. 
  • "Ja, klar. Wo ist denn der Aufzug?" fragte der "Papa", während er neben einem eindeutigen Schild stand, das den Weg wies. 
Manche Menschen sind für´s Leben nicht geeignet, dachte ich. 

Fünf Minuten später standen 5 Erwachsene und 3 Kleinkinder neben meinem Vito. Das Verteilen der Kindersitze überließ ich den Eltern. Mir war´s egal, wo die Kleinen saßen, Hauptsache wir kamen langsam weg hier. 
  • "Nein, nein,.." meinte die Oma "..das müssen Sie schon steuern."
  • "Ich steuere das Auto, sonst nichts. Und ich kümmere mich jetzt um´s Gepäck." entgegnete ich freundlich.
Bald hatten saßen alle, vor allem auch, weil die "Mama" eine ganz patente war und ihre Kinder gut im Griff hatte. 

Mein Ärger hatte sich schnell verzogen und am Ende rundete "Oma" das Fahrgeld großzügig auf. Allzu viel falsch konnte ich also nicht gemacht haben..-).

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