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Mittwoch, 19. März 2014

10 Minuten

Manche Kunden haben ja die Ruhe weg. Auch am Montagmorgen. WIR haben bestellt, UNSER Taxi steht schon vor der Tür und so haben WIR Zeit. ER wartet ja...

Ungewöhnlicherweise musste ich am Montagmorgen auf meinen ersten Auftrag knapp 1 Stunde warten. Die Kollegen von der "Frühschicht" (Beginn: 4.15 Uhr) hatten offenbar schon alle Flughafen- und Hauptbahnhof-Touren abgefahren. So fuhr ich um 5.50 Uhr vor die angegebene Adresse, wissend, daß die Kunden zum Flughafen wollten.
3 Minuten später ging ich vorsichtig zur Tür, um mich zu vergewissern, auch an der richtigen Adresse zu sein. Name passte, Hausnummer passte - aber niemand kam heraus. Es war zwar Licht im Haus und ich sah sogar, wie hinter einer Gardine die Betten gemacht wurden.
Aus dem Zimmer, welches ich für die Küche hielt, drang Kaffeetassengeklapper auf die Straße. Ich ging zum Auto zurück und wartete weiter.
Um 6.03 Uhr rief ich "Cleopatra" in der Zentrale an und fragte nochmals nach der bestellten Abholzeit. 6 Uhr war korrekt - und die Kollegin kam sofort in Fahrt...

  • "Hol´ die da raus! Du musst nachher pünktlich wieder zurück sein. Hier brennt dann die Hütte!" forderte sie mich in ihrer doch sehr direkten und nachdrücklichen Art auf..--)).
6.05 Uhr - ich klingelte. Das tue ich eigentlich um diese Zeit nie gerne, denn man weiß ja nicht, wer im Haus vielleicht noch schläft... Da gab es in der Vergangenheit schon mal richtig Ärger mit einem Kunden. Ein Mann öffnete, streckte den Kopf heraus und rief lächelnd:
  • "Jaaa.. Wir kommen gleich!"
"Gleich" ist ein dehnbarer Begriff. Es wurde 6.09 Uhr, als ich sie endlich die Auffahrt herunter kommen sah. Seelenruhig. Ohne Hektik. 
Wäre nicht ein Festpreis vereinbart gewesen, liefe das Taxameter längst. Aber so hätte ich mir erst Mal das O.k. aus der Zentrale für einen Aufschlag holen müssen und dafür blieb nun keine Zeit mehr. 
  • "Guten Moooorgäään.." kam es von beiden.
  • "Guten Morgen." kam es von mir etwas knapper. 
Als wir dann um 6.11 Uhr endlich auf der Strecke waren, machte ich ihnen klar, daß ich etwas in Eile war. 
  • "Sie wissen ja, Montagmorgen wollen alle irgendwo hin und meine Zeit drängt."
  • "Aaach, Sie wissen ja auch wie das so ist... Bis man die Koffer zu hat, die Kaffeetasse leer getrunken hat und, tja, dann MUSS man schließlich ja auch nochmal..."
Letzteres wollte ich nun gar nicht wissen und ich ging auch nicht darauf ein. Was mich mehr beschäftigte, war die Kombination aus 2 Gerüchen, die durch mein Auto zog: Parfum und Alkohol! Morgens um 6 Uhr?! Pervers. Die beiden hatten wohl noch ein oder zwei Gläßchen gekippt. Ich tippte auf "Kurze", also keinen Sekt. Widerlich! 

Entsprechend dem Pegel redeten die 2 auch Blödsinn. Er - ich gab ihm den Spitznamen "Saddam", wegen des Schnautzbartes und der Frisur - stellte irgendwelchen banalen Fragen zum Taxigeschäft und sie - ihren Mann an Masse bestimmt um das 1,5-fache übertreffend - äußerte sich ziemlich unkompetent über andere Autofahrer. 
Als wir einen 40-Tonner auf dem Ring 2 überholten, fragte sie nur:
  • "WARUM muß DER denn jetzt hier fahren? Was hat der denn hier zu suchen? Der hält doch nur andere auf."
Nun mußte ich auch mal was sagen.
  • "Keine Ahnung. Fragen können wir ihn ja nicht."
Sie brauchte 2 Sekunden, dann kam von hinten:
  • "Na, DAS war ja nun auch mal eine gute Bemerkung."
Ob sie es zynisch oder ernst gemeint hatte, konnte ich nicht heraus hören. Aber den Rest der Fahrt verbrachte sie schweigend...--)). 

Foto: hamburg-airport.de


Am Ende war ich es, der die Folgen ihres Trödelns und ihrer "Gelassenheit" ("..schließlich MUSS man ja mal..") ausbadete: zum nächsten Kunden kam ich 10 Minuten zu spät und durfte mich entschuldigen. Beim übernächsten Kunden waren es immerhin noch 8 Minuten und auch hier war eine kleine Entschuldigung fällig. 

Für die Zukunft werde ich mit "Cleopatra" absprechen, welchen Aufschlag ich für solche Fälle kassieren kann.