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Samstag, 15. März 2014

Cleopatra

Die erste Tour gestern Morgen hatte das Potential, mir die gute Laune, mit der ich immer morgens ins Taxi steige, zu verderben.
Es war 4.30 Uhr, als das ältere Paar ins Auto stieg und als Ziel den Flughafen angab. Er vorne, sie hinten. Wie immer.

Ich fuhr aus der Siedlung heraus und auf die Kreuzung zur Hauptstraße zu. Das Stop-Schild beachtete ich nicht weiter, denn ich hatte ein weites Sichtfeld, welches auch noch durch 2 Straßenlaternen beleuchtet wurde. Alles frei auf mindestens 100 Meter. Kurzes Verzögern, um die Ecke fahren, fertig.
Der Kunde neben mir nahm das zum Anlaß, für einen ersten Mecker-Anfall.

  • "Auch einer von den Burschen, die mir hier immer (!) die Vorfahrt nehmen und am Stop-Schild nicht anhalten...!"
Da hatte ich wohl einen dieser renitenten Rentner-Radfahrer neben mir, die meinen, nur wegen eines Schildes, welches ihnen ein Vorrecht einräumen, nicht mehr aufpassen zu müssen..??!! SIE haben ja RECHT! 
Ich hielt ihm die o.g. aktuelle Situation an der Kreuzung entgegen und erntete..Schweigen. Immerhin. Mein Puls beruhigte sich wieder. 

Kurz darauf kam die Frage, die ich seit gut 1 Woche mehrfach täglich höre:
  • "Sie sind wohl auch neu in der Firma?!"
Die Frage ist völlig verständlich und ich beantworte sie eigentlich immer in der gleichen freundlichen und höflichen Weise. Er aber wartete diese gar nicht ab, sondern fing gleich an, über Fahrer zu lamentieren, die ihn und seine Frau "..sonst immer.." fahren. 
  • "Meistens kommen da ja so türkisch Abstämmige..."
Somit kannte ich nach nicht einmal 2 Minuten schon seine Einstellung zu Autofahrern im Allgemeinen, seine Ressentiments gegenüber türkischen Kollegen im Speziellen und er hatte mir ein gutes Beispiel gebracht, daß er wohl noch nicht einmal seine EIGENE Sprache richtig beherrschte. Wo findet man denn im Duden den Begriff "Abstämmige"?

Nachdem er auf dem Weg zum Flughafen noch 2 oder 3 weitere Urteile über andere Verkehrsteilnehmer vor sich hin brummte, war ich ihn und seine schweigsame Frau nach ziemlich genau 25 Minuten los, wünschte noch einen guten Flug und versuchte, ihn möglichst schnell zu vergessen. 
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Ansonsten war die gesamte Woche sehr ruhig und ohne auffällige Kunden verlaufen. Es machte viel Spaß und auch an das frühe Aufstehen und das für mich inzwischen schon ungewohnte lange Arbeiten, hatte ich mich gewöhnt. Nachdem ich im Dezember meine vorherige Firma verlassen musste und ich seitdem entweder arbeitslos Zuhause oder nur stundenweise (als offiziell Nebenbeschäftigter) Taxi gefahren war, fiel mir die Umstellung auf ganze Schichten nicht ganz leicht. 
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Ein "Highlight" der Woche fand sich aber gar nicht unter den Kunden, sondern unter den Kollegen: unsere Tages-Funkerin. Mir war bereits am Samstag von ihr erzählt worden, aber als ich am Montag sie am Funk zum ersten Mal vernahm, war ich doch gespannt darauf, wie die Person hinter die energischen Stimme mit dem knappen Ton aussah. 
Unter einem Vorwand hielt ich an der Zentrale und ging hinein. Ich war überrascht! Denn meistens schließt man aus einer Stimme auf das Aussehen eines Menschen. Sprich: klingt z.B. die Frau am Funk nett, freundlich und irgendwie attraktiv, sollte man es im Allgemeinen dabei belassen, sie "nur" sprachlich zu kennen. Das zeigt meine Erfahrung. 

Folglich vermutete ich hinter der Stimme unserer Funkerin mit den o.g. Attributen einen richten "Besen", wie man in Bayern zu sagen pflegte. 
Weit gefehlt! Hinter dem Tisch in der Ecke des großen Raumes saß eine Frau Ende 40, rotblond mit halblangen Haaren, leuchtend blauen Augen die - sahen sie einen an - wirkten, als blicke man in 2 nebeneinander stehenden Leuchttürme! Ich hatte sofort einen Spitznamen für sie: Cleopatra - in rotblond!

Wir unterhielten uns kurz und sie schilderte mir, wie sie die Kollegin der Nachtschicht bei der Übergabe am Morgen "platt" gemacht habe, weil diese nicht vernünftig den Tag vorbereitet hatte! 

Ich konnte es mir bildlich und ohne Probleme vorstellen. Hier saß eine Schönheit mit eiserner Faust, die ihren "Laden" wie keine zweite im Griff hatte! Als ein Kollege herein kam und ein angedeutetes Kompliment zum Besten gab, zuckte sie noch nicht einmal mit dem Wimpern. 

Als würde man einem Eisberg mit einem Föhn zu Leibe rücken wollen...--)).

Ich ließ Cleopatra alleine und widmete mich lieber MEINER Arbeit. 


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