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Montag, 14. März 2011

Schweigen ist Gold - und reden Blech?

Größer hätten die Unterschiede zwischen meinen ersten Fahrgästen dieser Woche kaum sein können.

Zuerst der schon "übliche" Geschäftsreisende, der am frühen Montagmorgen zum Flughafen möchte. Für 6.30 Uhr bestellt, klingle ich um 6.27 Uhr an seiner Tür, frage nach, ob ich schon Gepäck einladen darf.

  • "..Ja, gerne...!"


Das waren die Worte 1 und 2. Drei Minuten später stieg er ins Auto und setzte sich vorne hin. Aha, einer der morgens schon reden möchte. Ich kann das ab, wenn´s nicht nur um´s Wetter geht. Pustekuchen! Er schwieg, bis auf weitere 3 Worte:

  • "..Zum Flughafen, bitte!"


Meine Zentrale hatte keine Information über einen vereinbarten Festpreis, also schaltete ich das Taxameter ein. Es piepste zur Bestätigung zwei Mal (Tarif 2, für die Insider) und los ging´s. Dann - Stille während der folgenden 40 Minuten Fahrtzeit. Auf Zufahrtsstraße vor den Terminals gab´s die nächsten 3 Worte:

  • "..Terminal 2, bitte..!"


Ich hielt, schalte die Uhr aus und nannte ihm den Fahrpreis. Er sah mich verduzt an und meinte, er hätte einen Festpreis vereinbahrt...--((! Klasse. Den Taxameter-Preis konnte ich also in die Tonne drücken. Dafür zeigte er sich aber mit dem Trinkgeld großzügig. O.k. Verziehen.

Bevor ich noch das Ortsschild Reinbek wieder passierte, ereilte mich via Funk der nächste Auftrag. Zum Hauptbahnhof. Ohne Festpreis. Wenn das mal stimmte...!?

Dieses Mal war´s eine Kundin. Nach eigenen Angaben über 50 (was man nicht alles in den ersten 2 Minuten mitgeteilt bekommt..--))?!) und "..sehr aufgeregt..", weil sie ihren Zug nach Kopenhagen erreichen musste.

Sie redete und redete und redete in einem fort. Meine Zwischenbermerkungen überhörte sie glatt, sodaß ich es irgendwann aufgab.

  • "..Aber wenn ich Sie nerve, sagen Sie´s ruhig!? Ja, wissen Sie, also meine Schwiegertochter hat mich gestern...!


Lalalalala... Ich dachte nur eines: wenn das Schweigen des ersten Fahrgastes für mich "Gold" in Sachen Trinkgeld bedeutete, konnte ihr Gerede nur eines erwarten lassen: "Blech" für den Taxifahrer! Zum Glück sind Menschen ja unterschiedlich und nicht immer berechenbar. Denn sie bedankte sich für mein Zuhören mit dem gleichen Obulus, wie ihr Vorgänger. Trotzdem - ich hatte genug gehört.

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Szenenwechsel. So um die Mittagszeit stieg ein älteres Paar bei mir ein. Er vorne, sie hinten. Wie üblich. Er war gut 1,5 Köpfe kleiner als ich und irgendwie ulkig. Seine 2 Augen blickten in verschiedene Richtungen und seine Sprache verriet, daß er aus Sachsen stammte (nichts gegen Sachsen, natürlich, lieber Kollege Bernd..--)). Zuerst kam ich mit seiner Aussprache gar nicht klar.

  • "..HeuddeisDaimler-Taachfürmich.."


Wie bitte? Zum Glück hatte er nicht mich angesprochen, sondern seine Frau. Ich musste mich stark beherrschen, nicht zu lächeln, wenn ich - höflicherweise - ab und an zu ihm rüber sah. Kurz vor unserem Ziel saachte, äh, sagte er:

  • "..Wirmüssnnachmeimautogucken..!"


Auto hatte ich verstanden, aber zum Glück kam seine Frau mir zu Hilfe.

  • "Mein Mann hatte eine Augenoperation und danach sein Auto hier irgendwo stehen lassen. Das wollen wir nun holen."


Ach so.

  • "Nach welchem Auto soll ich den Ausschau halten?"

  • "Eincitroenzeevier..!"


"Citroen" war hängen geblieben.

  • "Silbermitdemgennzeischen...OD-..."


Ich gab´s auf. Links und rechts parkten ca. 100 Autos und mehr als die Hälfte davon war silberfarben.

  • "Doolinggssisser...!"


Er hatte ihn selbst gefunden. Schon praktisch, wenn man - wie eine Echse - in 2 verschiedene Richtungen gleichzeitig sehen konnte, oder?

  • "Hierkönnnenseunsrauslassen.."


Das tat ich dann auch. Allerdings schickte ich ein kleines Gebet gen Himmel, daß nicht ER, sondern seine Frau den Wagen steuern würde..! Abwarten wollte ich es nicht, deshalb ließ ich die Pferde etwas zügiger wieder Richtung Heimat traben.