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Donnerstag, 16. Februar 2012

Eisiges Schweigen

Was war das doch für ein toller Tag gestern in Hamburg!? Die Temperaturen gingen auf 9 Grad in der Innenstadt, der Außenalster konnte man zusehen, wie sie sich wieder von einer Eisfläche in einen See zurück verwandelte und meine Fahrgäste waren durchweg gut drauf.

Kein Wunder - bei DEN Aussichten...:

Außenalster, nahe des amerikanischen Konsulats
Da machte es mir gar nichts aus, einen neuen persönlichen Arbeitszeitrekord aufzustellen, denn unsere normalen Schichten gehen über 10 Stunden. Gestern kam ich auf mehr. Ein Grund hierfür ist jedoch auch, daß ich seit 1. Februar einen anderen Wagen als vorher fahre: mit Automatik. Seitdem merke ich, wie sehr Taxifahren mit Schaltgetriebe schlaucht. Früher stieg ich nach 10 Stunden aus dem Auto und war müde und "leer".
Heute lege ich gerne noch eine Stunde drauf..--))

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Heute Morgen waren die Außentemperaturen natürlich auch wieder unter Null Grad, so schnell kommt der Frühling dann doch nicht. Aber - mein erster Auftrag bescherte mir um 6.30 Uhr ebenfalls gefühlte eisige Grade IM Auto..

Unsere Stammkundin (oder soll ich sagen Stammpatientin?) Frau B. aus Reinbek hatte einen Termin in der Endo-Klinik. Eigentlich fährt sie immer mit Kollegen B., aber die Nachtfunkerin hatte nicht darauf geachtet und B. um 5.30 Uhr zum Flughafen geschickt, sodaß er für Frau B. zu spät zurück kam. Also übernahm ich. Klingt banal, aber der Hintergrund ist, daß Frau B. eben nur mit Kollegen B. fahren möchte. Über die Gründe möchte ich hier nicht spekulieren..--))

Nun stand ich vor ihrer Haustür und wartete.

Dann kam sie.

Langsam.

Den Blick auf das Kennzeichen gerichtet, dann auf mich.

Eine eisige Faust schien nach mir zu greifenund ihre Blicke waren wie eiskalte Pfeile. Und sie trafen mich.

Sie öffnete die Tür und schob sich langsam ins Auto. Schieben ist wohl der richtig Ausdruck, denn Frau B., Anfang 40, lockiges Haar, etwas dicklich und mit einem Sprachfehler versehen, ist durch ihre Krankheit nicht sonderlich fit.

  • "Morgen..!" kam es etwas gepreßt aus ihrem kleinen, immer leicht spitz zulaufenden Mund.
  • "Guten Morgen, Frau B.!"
Bei unserer ersten Begegnung hatten wir uns gleich auf den ersten 10 Metern gezofft, weil sie damals auch den Kollegen B. erwartet und mich bekommen hatte. 
Ihr Verhalten erinnert immer ein wenig an das eines pubertierenden Teenagers. So auch heute. Bis Altona sprach sie nicht ein Wort. Ich erwartete eigentlich sekündlich die Frage, wo Kollege B. denn sei und warum nicht er sie fahren würde?! Aber nichts kam. 

Da...! Jetzt, kurz bevor wir am Millerntor in die Simon-von-Utrecht-Straße einbogen, gab sie einen Ton von sich:
  • "..da sind wir ja gut durchgekommen!"
Sie meinte die Zeit. 
  • "Ja, flott, nicht wahr?"
Schwankend in der Stimmung, wie Teenager nun mal sind (besonders wenn sie die 40 schon überschritten haben), sprach sie vor der Kliniktür noch einmal mit mir:
  • "Können Sie 2 Minuten warten? Ich komme gleich wieder.."
  • "Kein Problem."
Sie kam wirklich wieder und gab mir - ein Trinkgeld!

Etwas irritiert machte ich mich auf den Weg zurück und wählte die Route über die morgenliche Reeperbahn. 

Reeperbahn, 7.30 Uhr

Das ist wohl die einzige Zeit, in der man so gemütlich und ruhig hier fahren kann..