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Samstag, 28. Juli 2012

Eselsbrücken

Wir alle verwenden sog. "Eselsbrücken", um uns an bestimmt Dinge zu erinnern. Interessant ist, daß solche Brücken altersabhängig sind. Manche davon sind allerdings schon etwas skurril, wenn ich da an die Fahrt mit einer alten Dame, irgendwann in der vergangenen Woche, denke.

Geschätzt war sie über 80 Jahre alt. Ihr Mann verabschiedete sie am Tor und ich dachte, wir würden weiter weg fahren. Aber es ging nur nach Bergedorf, also gut 10 Minuten entfernt. Wie könnte es anders sein? "Wir" wollten zum Arzt. Was sonst..--))?

  • "Ich möchte zu Dr. Göris."

Die meisten älteren Menschen sind der Ansicht, daß man - auch als jüngerer - doch ebenso alle Ärzte und deren Adressen kennen müsste. Zum Glück ist das bei mir nicht der Fall. Mein letzter Arztbesuch liegt schon gut 2 Jahre zurück.

  • "Hätten Sie vielleicht eine Adresse?"
  • "Ja, ja, er hat seine Praxis "Hinterm Graben 48". 

Das war doch schon mal eine Angabe, auch wenn mir die Hausnummer verdächtig hoch erschien. Ich wusste, daß Nummerierung am Ende der Straße, im sog. Wendehammer, bei Nr. 37 lag. Gut möglich, daß auf der anderen Seite es eine Nr. 48 gab?!
Wir mussten es herausfinden, also fuhr ich los. 

Sie selbst sei noch nie dort gewesen, er sei nur die Urlaubsvertretung ihres Hausarztes. Kein Problem, die Straße war ja bekannt und die Nummer ließ sich wohl auch finden. 

Dachte ich. 

Als wir in die Straße einbogen und ich langsam die Nummerierung der Häuser folgte, war mir schnell klar, daß es mit der "48" kritisch wird. Ich behielt Recht. Im Wendehammer, also dem Ende der Sackgasse, hing groß und breit die "37" über der Eingangstür eines Ärztehauses. Auf der anderen Seite lag die Nummer weit unterhalb von "48".
Die alte Dame war nun völlig durcheinander. Deshalb entdeckte ich mein Herz für "Omis" und bot ihr an, erst mal die Hausnummer zu suchen.
Die erste Adresse war natürlich die "37", das Ärztehaus. Was fand ich? Einen Dr. Jöris, Allgemeinarzt. Nachdem ich zu Sicherheit den kleinen Häuserblock nebenan nochmals umrundet hatte - und keine "48" fand - fragte ich sie, ob Sie wirklich sicher sei mit dieser Hausnummer?

Sie zog einen handgeschriebenen Zettel heraus, auf dem der Name des Arztes und - tatsächlich - auch die Adresse wie angegeben stand. Aber die Schrift war altdeutsch und der Name, tja, der erinnerte mich ein wenig an den, den ich gerade eben auf dem Schild gelesen hatte: Jöris.

  • "Sind Sie sicher, daß der Name "Göris" lautet?"
  • "Ja, ich habe mir das gut gemerkt, weil er mich an "(Hermann) GÖRING" erinnerte...!"

Umpff.. DAS war mal eine Eselsbrücke der besonderen Art! Was normal bei mir Abscheu hervor gerufen hätte, konnte ich der alten Dame, die diese Zeit ganz sicher bewusst miterlebt hatte, nicht übel nehmen. 

Wenn man´s genau nimmt, was das sogar eine "Esels"brücke im doppelten Sinne..--)). 

Der gefundene Dr. Jöris erwies sich als der Richtige. Die Adresse war wohl durcheinander geraten. Eine sich mehrfach bedankende und beruhigte alte Dame verließ mein Auto. 

Jeden Tag eine gute Tat..-)!!

So, und nun - AB IN DEN URLAUB!

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