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Freitag, 15. Juli 2011

Mittagessen

Jeder hat so seine Dinge, die ihm gegen den Strich gehen. Eines meiner ist, wenn andere mir direkt oder indirekt auf der Tasche liegen und dann auch noch meinen, sie hätten das "Recht" dazu.

Noch vor Monaten habe ich immer erst dann das Taxameter eingeschalten, wenn der Fahrgast im Taxi saß. So wurde auch verfahren, wenn ich z.B. einen Patienten von der Station im Krankenhaus abholen sollte. Irgendwann hat es aber "Klick" gemacht und mir wurde bewusst, daß es sich beim Abholen auch um bezahlte Arbeitszeit handelte. Der Fahrgast, bzw. Patient, hätte durchaus die Möglichkeit auf mich vor der Krankenhaustür zu warten. So aber lasse ich mir seit einiger Zeit diesen Abholdienst bezahlen. Das ist auch nur fair der Firma gegenüber.

Vor 2 Tagen bestellte das Reinbeker Krankenhaus ein Taxi, um einen Patienten zur gut 1 km entfernten Dialysestation fahren zu lassen. Nicht Ungewöhnliches, das kommt mehrfach pro Woche vor. Also parkte ich das Auto, schaltete das Taxameter ein und fuhr hinauf zur Station. Dort angekommen, meldete ich mich bei den Krankenschwestern und diese informierten den Patienten in seinem Zimmer.

  • "Herr XY, Ihr Taxi ist daaa..!"

  • "Ja, ja, ich komm´ gleich.!"


Ich wollte nicht aufdringlich sein und postierte mich wartend vor seinem Krankenzimmer. Allerdings stellte ich mir die Frage, warum der Patient noch nicht fahrfertig war, wenn doch schon sein Taxi gerufen worden war? Herrn XY sah ich nur von hinten, er saß auf seinem Bett. War er schon angezogen? Ich ging etwas näher. Angezogen war er, aber er saß in Seelenruhe da und aß sein Mittagessen!! Irgendwie traute ich meinen Augen nicht. Er hatte einen Termin, das Taxi wartet und sein größtes Interesse galt diesem Fertigfutter-Essen aus der Krankenhauskantine? Weil mir ganz sachte der Kamm schwoll, ging ich ins Zimmer.

  • "Entschuldigung, aber soll ich später wieder kommen? Die Uhr läuft und Sie essen noch, meine ich."

  • "Nö, nö, bin gleich fertig."


Sprach´s und zog sich seine Nachspeise heran. Gut 3 Minuten später kam er mir, fröhlich lächelnd, entgegen.

  • "Wir können!" meinte er.


Als wir am Auto ankamen, stand der Fahrpreis schon auf 8,80 €. Zieht man den Grundtarif von 2,60 €, so ergab sich für das Mittagessen des Herrn XY ein Preis von 6,20 €! Nicht schlecht, oder? Und wer bezahlt dieses Mittagessen, das im Grunde ja 2 x kostet (das Essen selbst und die Wartezeit)? Die Krankenkasse natürlich. Und damit - wir alle! Die anschließende Fahrt zur Dialyse schlug nur mit 1,70 € zu Buche.

Wäre Herr XY bereits fertig gewesen, hätte das Abholen maximal 2,40 € - 2,60 € gekostet, also gut 6 Minuten gedauert.

Wenn er beim Einsteigen das Taxameter überhaupt beachtet hatte, so interessierte ihn der Betrag nicht im Mindesten. Schließlich war er ja Patient und hatte ein Recht auf die Beförderung - oder?

Seitens der Krankenkassen wäre es richtig, den Krankenhäusern für solche Transporte nur eine Pauschalsumme zu bezahlen. Diese würden das natürlich wieder an die Taxiunternehmen weiter geben, was bedeutete, daß das Abholen und Begleiten des Patienten zu Lasten der Unternehmen ginge. Wäre es da nicht gerechter, dem Patienten nach seiner Entlassung die Mehrkosten in Rechnung zu stellen? Ich denke, ja.

Denn am Ende werden die gestiegenen Kosten der Kassen an die Kunden in Form von höheren Beiträgen weiter gegeben. Und so bezahlen wir alle für Verhalten wie die des Herrn XY.

Das geht mir definitiv gegen Strich.